Was bedeutet unbanked, underbanked oder debanked? Erfahren Sie die Gründe für finanzielle Ausgrenzung und welche modernen Lösungen wie Fintech & Krypto es gibt.
Unbanked, Underbanked & Debanked: Definitionen & Lösungen
Definition und Unterschied: Unbanked vs. Underbanked
Die Begriffe «unbanked» und «underbanked» beschreiben unterschiedliche Stufen der finanziellen Ausgrenzung. Sie beziehen sich auf Menschen, die entweder gar keinen oder nur einen sehr eingeschränkten Zugang zu traditionellen Bankdienstleistungen wie Konten, Krediten oder Sparkonten haben. Um die Herausforderungen und Lösungen im Bereich der finanziellen Inklusion zu verstehen, ist es entscheidend, diese beiden Konzepte klar voneinander abzugrenzen.
Unbanked Definition: Ein Leben ohne Bankkonto
Als «unbanked» wird eine Person bezeichnet, die kein Bankkonto bei einer traditionellen Bank, einer Sparkasse oder einer Kreditgenossenschaft besitzt. Diese Menschen agieren vollständig ausserhalb des formellen Bankensystems. Für alltägliche finanzielle Transaktionen sind sie auf Bargeld, Zahlungsanweisungen oder alternative, oft teurere Finanzdienstleister angewiesen. Die «unbanked definition» beschreibt also den kompletten Ausschluss vom traditionellen Bankwesen.
Underbanked Definition: Eingeschränkter Zugang zu Finanzdiensten
Die «underbanked definition» beschreibt eine etwas andere Situation: Eine Person gilt als «underbanked», wenn sie zwar ein Bankkonto besitzt, dieses aber nicht ausreicht, um ihre finanziellen Bedürfnisse zu decken. Oft wird das Konto nur passiv genutzt, zum Beispiel für den Lohnempfang. Für andere Transaktionen wie das Bezahlen von Rechnungen, das Senden von Geld oder die Aufnahme von kurzfristigen Krediten greifen diese Personen dennoch regelmässig auf alternative und oft kostspielige Dienste zurück. Dazu gehören Scheckeinlöser, Zahltagsdarlehen oder auch diverse Prepaid-Lösungen, die anstelle von klassischen Bankprodukten genutzt werden.
In diesem Artikel erfährst du, was die Begriffe «unbanked», «underbanked» und «debanked» bedeuten. Wir erklären dir die Unterschiede, die Gründe für finanzielle Ausgrenzung und welche modernen Lösungen wie Fintech und Krypto es im Jahr 2026 gibt, um mehr Menschen den Zugang zum Finanzsystem zu ermöglichen.
TLDR
- Unbanked: Du besitzt überhaupt kein Bankkonto.
- Underbanked: Du hast zwar ein Konto, bist aber für viele Dinge auf alternative (und oft teurere) Finanzdienste angewiesen.
- Debanked: Deine Bank hat dir dein Konto unfreiwillig geschlossen.
- Gründe dafür sind vielfältig: Hohe Gebühren, Misstrauen gegenüber Banken, fehlende Dokumente oder eine negative Kredithistorie.
- Moderne Lösungen: Fintech-Apps, Neobanken und Kryptowährungen bieten heute zugänglichere und oft günstigere Alternativen.
📑 Inhaltsverzeichnis
- Definition und Unterschied: Unbanked vs. Underbanked
- Unbanked Definition: Ein Leben ohne Bankkonto
- Underbanked Definition: Eingeschränkter Zugang zu Finanzdiensten
- Gründe für den Status als Unbanked oder Underbanked
- Die Konsequenzen finanzieller Ausgrenzung
- Was bedeutet «Debanked»?
- Lösungen: Fintech, Krypto und finanzielle Inklusion
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Gründe für den Status als Unbanked oder Underbanked
Warum haben Menschen im Jahr 2026 immer noch keinen oder nur begrenzten Zugang zu Bankdienstleistungen? Die Gründe sind vielschichtig und reichen von wirtschaftlichen Barrieren bis hin zu persönlichem Misstrauen. Hier sind die häufigsten Ursachen:
- Kosten
- Hohe Kontoführungsgebühren, Strafgebühren für die Unterschreitung von Mindesteinlagen oder hohe Transaktionskosten machen ein Bankkonto für Menschen mit geringem Einkommen unerschwinglich.
- Vertrauen
- Schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit, die Finanzkrise von 2008 oder generelles Misstrauen gegenüber grossen Finanzinstitutionen führen dazu, dass manche Menschen Banken bewusst meiden.
- Bürokratie und Identifikation
- Zur Eröffnung eines Kontos sind oft offizielle Dokumente wie ein Pass, eine ID oder ein Adressnachweis erforderlich. Migranten, Flüchtlinge oder Personen ohne festen Wohnsitz können diese Hürden oft nicht überwinden.
- Bonität
- Negative Einträge in der Kredithistorie (z. B. bei der ZEK in der Schweiz) können dazu führen, dass Banken die Eröffnung eines Kontos oder die Gewährung eines Kredits verweigern.
- Geografische Lage
- Obwohl in der Schweiz weniger relevant, ist der fehlende Zugang zu Bankfilialen in ländlichen oder abgelegenen Gebieten weltweit ein Hauptgrund für den Status als «unbanked».
Die Konsequenzen finanzieller Ausgrenzung
Kein Bankkonto zu haben, ist mehr als nur eine Unannehmlichkeit. Es hat weitreichende negative Folgen für die Betroffenen und schränkt ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten stark ein.
💸 Höhere Kosten
Ohne Bankkonto müssen für einfache Transaktionen wie das Einlösen eines Schecks oder das Bezahlen von Rechnungen teure Dienste von Drittanbietern genutzt werden. Diese Gebühren summieren sich und belasten das Budget erheblich.
🔒 Sicherheitsrisiken
Wer auf Bargeld angewiesen ist, trägt ein höheres Risiko für Diebstahl oder Verlust. Es gibt keine Möglichkeit, das Geld zu schützen oder Transaktionen nachzuverfolgen.
📈 Schwieriger Vermögensaufbau
Ohne Zugang zu Sparkonten, Krediten oder Anlagemöglichkeiten ist es fast unmöglich, Vermögen aufzubauen, für die Zukunft zu planen oder ein Unternehmen zu gründen.
🌐 Ausgeschlossen von der Digitalwirtschaft
Viele Online-Dienste, Einkäufe und Abonnements erfordern eine digitale Zahlungsmethode. Ohne Bankkonto ist die Teilnahme am modernen digitalen Wirtschaftsleben stark eingeschränkt.
Was bedeutet «Debanked»?
Neben «unbanked» und «underbanked» hat sich in den letzten Jahren ein weiterer Begriff etabliert: «debanked». Dieser beschreibt eine Situation, die jeden treffen kann, der bereits ein Konto hat.
Debanked Definition: Als «debanked» (oder «debanking») wird der Prozess bezeichnet, bei dem einer Person oder einem Unternehmen das bestehende Bankkonto von der Bank unfreiwillig gekündigt wird. Im Gegensatz zu «unbanked» hatte die Person also Zugang zum System, verliert diesen aber wieder.
Die Gründe dafür liegen oft im Risikomanagement der Banken (auch «De-Risking» genannt). Regulatorische Vorgaben zur Bekämpfung von Geldwäsche (AML) und Terrorismusfinanzierung (CFT) veranlassen Banken, Konten von Kunden zu schliessen, die als risikoreich eingestuft werden. Dies kann auch Personen treffen, die in der Krypto-Branche tätig sind oder Transaktionen mit bestimmten Ländern durchführen.
Lösungen: Fintech, Krypto und finanzielle Inklusion
Glücklicherweise treiben technologische Innovationen die finanzielle Inklusion voran und bieten wirksame Alternativen zum traditionellen Bankensystem. Diese neuen Lösungen sind oft zugänglicher, kostengünstiger und benutzerfreundlicher.
📱 Fintech und Neobanken
Unternehmen im Bereich Finanztechnologie (Fintech) haben die Bankenlandschaft revolutioniert. Neobanken wie Revolut bieten mobile Bankkonten an, die in wenigen Minuten eröffnet werden können, oft ohne Kontoführungsgebühren und mit transparenten Kosten. Sie senken die bürokratischen Hürden und machen Bankdienstleistungen über eine einfache App zugänglich. Auch mobile Zahlungsmethoden wie Apple Pay, die mit diesen Konten verknüpft werden können, erleichtern den Alltag.
🪙 Kryptowährungen und DeFi
Kryptowährungen wie Bitcoin und dezentrale Finanzdienstleistungen (DeFi) verfolgen das Motto «be your own bank» (sei deine eigene Bank). Sie ermöglichen es jedem mit einer Internetverbindung, Werte zu speichern, zu senden und zu empfangen, ohne auf eine traditionelle Bank angewiesen zu sein. Dies bietet eine leistungsstarke Alternative für Menschen in Ländern mit instabilen Währungen oder restriktiven Finanzsystemen.
📞 Mobile Money
Vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern hat sich Mobile Money als entscheidende Technologie erwiesen. Dabei wird das Mobiltelefon über die SIM-Karte zur digitalen Geldbörse. Dienstleistungen wie M-Pesa in Kenia ermöglichen es Millionen von Menschen, Geld zu senden, Rechnungen zu bezahlen und sogar Kredite aufzunehmen – ganz ohne traditionelles Bankkonto.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Hauptunterschied zwischen unbanked und underbanked?
Der Hauptunterschied liegt im Besitz eines Bankkontos. Eine «unbanked» Person hat gar kein Konto und steht komplett ausserhalb des traditionellen Bankensystems. Eine «underbanked» Person hat zwar ein Konto, nutzt es aber nicht für alle Finanzgeschäfte und greift stattdessen auf alternative, oft teurere Dienstleistungen zurück.
Wer ist am ehesten von «Unbanking» betroffen?
Statistisch gesehen sind Personen mit geringem Einkommen, junge Erwachsene, die gerade erst ins Berufsleben einsteigen, Migrantinnen und Migranten ohne lückenlose Dokumentation sowie Menschen in ländlichen Regionen mit schlechter Bankinfrastruktur am häufigsten «unbanked» oder «underbanked».
Was versteht man unter dem Begriff «Unbanking»?
Der Begriff «Unbanking» kann zwei Bedeutungen haben. Einerseits beschreibt er den aktiven Prozess, bei dem sich jemand bewusst von traditionellen Banken abwendet, oft zugunsten von modernen Alternativen wie Fintech oder Kryptowährungen. Andererseits wird der Begriff manchmal auch als Synonym für den Zustand verwendet, kein Bankkonto zu haben, also «unbanked» zu sein.
Ist das Problem in der Schweiz relevant?
Ja, auch wenn die Schweiz eine der höchsten Bankdichten der Welt hat. Die Quote der «Unbanked» ist hier zwar sehr tief, doch die Themen «Underbanked» und «Debanking» sind durchaus aktuell. Hohe Bankgebühren können dazu führen, dass Personen mit niedrigem Einkommen ihr Konto nur minimal nutzen («underbanked»). Zudem kommt es immer wieder vor, dass Banken Konten kündigen («debanking»), insbesondere wenn Kunden einen Auslandsbezug haben, im Krypto-Bereich aktiv sind oder aus anderen Gründen als Risiko eingestuft werden.
Written by
Stefan Leitner